Als der Bürger-Aktivismus die Stadt regierte und ein sozial- und umweltverträgliches Stadtmodell umzusetzen begann
Die aus der Bürgerrevolte des 11M (11. Mai 2014) hervorgegangenen Regierungswechsel in vielen Städten des Landes, darunter Madrid und Barcelona, hat zu einem recht radikalen Kurswechsel von neo-liberalem Wirtschaften zu fortschreitenden Humanisierungsversuchen der Ökonomie geführt. Zumindest in Barcelona. Eine neue Regierungskoalition, angeführt von der neu entstandenen Comuns-Bürgerpartei, behielt immerhin zwei Legislaturperioden lang das Zepter in der Hand. Die langjährige Aktivistin, Ada Colau, wurde die erste Bürgermeisterin der Stadt. Nach den letzten Wahlen hat sich das Blatt gewendet. Inwiefern ist lawfare für die Abwahl der progressiven Regierungskoalition mit verantwortlich? Welche neuen Weichen wurden gestellt, welche Maßnahmen getroffen? Inwiefern sind sie nachhaltig und verbindlich?
Handlungskatalog einer touristisch überprägten Metropole
Der vorliegende Bildungsurlaub beschäftigt sich einerseits mit der Erörterung des ganzheitlichen Planungskonzeptes „Barcelona Green Deal“ zur Einhaltung der vorgegebenen nachhaltigen Entwicklungsziele der AGENDA 2030 und als Vorlage für die führende Rolle der Stadt im Rahmen des MCR2030 (Making Cities Resilient). Das neue globale Leitmotiv lautet: Resilienz, also die Fähigkeit, auf Krisen vorbeugend, vorbereitet und resolut zu reagieren. Da schätzungsweise im Jahre 2030 zwei Drittel der Weltbevölkerung in Metropolen leben werden, sind Resilienzstrategien hauptsächlich für Städte zu begreifen. Aufgrund seiner diesbezüglichen Musterrolle ist Barcelona von MCR zu einem Zentrum globaler Resilienz erkoren worden.
Darüber erfahren die Kursteilnehmer bei zwei amtlichen Terminen mehr: bei der Stadtverwaltung (Ajuntament) einerseits und bei dem metropolitanen Verwaltungsorgan (AMB) andererseits. Es geht um verkehrs-, energie- und umweltpolitische Maßnahmen, die von der Lokalregierung durchgeführt oder gefördert werden, z. B. die aktuellen Verhandlungen zur Kommunalisierung des Wassers, zur „Energiearmut“ oder dem Entgegenwirken der Gentrifizierung.
Weitere Handlungsstrategien zielen auf eine Diversifizierung der Ökonomie, die Schaffung von sozialwirtschaftlichen Impulsen, eine räumliche Neuzuordnung in Form von sogenannten Super Blocks – unser Fallbeispiel befindet sich im Bloc4BCN des Planungsgebiets Montjuic: Can Batlló.
Bloc4BCN-Can Batlló
Nach über 30 Jahren begann man, eingedenk bitterer Nachbarschaftskämpfe, die versprochene Transformation einer großräumigen Industriebrache zu vollziehen. Heute ist das Gelände bereits ein buntes, kreatives Kleinod gesellschaftlichen Wirkens. Es soll zum wichtigsten Pol für die Förderung des Genossenschaftswesens im südlichen Europa ausgebaut werden. Auf 4.500 qm wird es Platz für 60 Unternehmen geben, die sich der Solidar- und Sozialwirtschaft verschreiben.
Parallel hierzu wirkt ein flächendeckendes Ateneu-Netzwerk mit ähnlichem inhaltlichen Format. Aus einer komparativen historischen Perspektive erfahren wir über das Athenäum als katalanische Bildungs- und Kulturinstitution, das seit Ende des 19. Jahrhunderts der Wissensverbreitung dient. Als Gegengewicht zum amtlichen Diskurs richtet sich das Augenmerk nunmehr auf Impulse, die aus der Zivilgesellschaft kommen.
Kiz-Aktivismus gegen Gentrification, Naturparkmanagement für saubere Luft: Raval und Collserola-Park
Zur Verdeutlichung aller theoretischen Ausführungen nehmen wir uns die Besichtigung des Altstadtviertels El Raval vor, begleitet vom BU-Referent und einem Vertreter des anarchistischen Gewerkschaftsbundes CNT; dabei stehen Themen wie Gentrifizierung, Stadtgeschichte und -soziologie im Vordergrund.
Einen Perspektivwechsel bietet die Collserola-Bergkette, mit ihren über 8000 ha einer der grössten Stadtparks Europas. Bei der Führung eines Forstingenieurs soll sein übergeordneter ökologischer Stellenwert für die Metropole erläutert werden.
Leistungen: Seminargebühr, Übersetzungen, 6 Ü/DZ wie gebucht mit DU/WC im Zimmer, Frühstück kann organisiert werden. EZ-Zuschlag ca. 240 €
Unterkunft: zentral gelegenes ordentliches Hotel nähe Placa d’Espanya
Anreise: eigene Anreise.
* Trägeranerkennung: Die inhaltliche Prüfung erfolgt durch den Arbeitgeber.
Verein für arbeitsorientierte Erwachsenenbildung (VAE)
Der VAE wurde 1985 gegründet. Aus den gesellschaftspolitisch geprägten Seminaren wurde in den folgenden Jahren ein umfangreiches Programm entwickelt, das auch ökologische und berufliche Weiterbildung integriert. Vor Ort, d. h. in verschiedenen Ländern weltweit, bieten die Veranstaltungen die Möglichkeit, soziale Zusammenhänge und ökonomische Realitäten ”authentisch” zu erleben.
Wir verstehen unser Angebot als gesellschaftspolitische Ergänzung arbeitsrechtlich orientierter Angebote und stellen aktuelle gesellschaftliche Probleme in den Vordergrund. Erweitert wird dieses Programm durch ein Angebot zur beruflichen Bildung (Sprachen).
Was heißt ”Arbeitsorientierung” in der Erwachsenenbildung?
Ein integratives Konzept „arbeitsorientierter Erwachsenenbildung” umfasst auch ein ganzheitliches Konzept der Vermittlung. Darunter verstehen wir, dass zusätzlich zu kognitiver Wissensvermittlung eine möglichst direkte, unvermittelte Form des Erlebens gehört, um zu einer eigenen Bewusstseinsbildung zu gelangen. Deshalb sehen wir es als notwendig an, Situationen, von denen wir etwas lernen möchten, praktisch zu erfahren, in sie „hineinzugehen”. Daher finden unsere Veranstaltungen vor Ort statt, in europäischen oder außereuropäischen Ländern.
Wir bieten die Möglichkeit,
Unsere Angebote sollen zu einer Auseinandersetzung und Verständigung mit den Menschen vor Ort beitragen.
Bildungsurlaub
Wenn Sie zu unserem Angebot an Bildungsurlauben Detailinformationen wünschen, so finden Sie diese direkt auf unserer Homepage unter vae-online.net.
Dort bekommen Sie auch Informationen über Anmeldung und den Buchungsstatus des Bildungsurlaubs.