Die nach dem Ersten Weltkrieg unabhängig gewordenen baltischen Staaten – Litauen, Lettland, Estland – konnten sich nur zwei Jahrzehnte ihrer Souveränität erfreuen. In den geheimen Zusatzprotokollen des im August 1939 geschlossenen Hitler-Stalin-Paktes wurde das Baltikum dem sowjetischen Einflussgebiet zugeschlagen. Nachdem kurz darauf die deutsche Wehrmacht Polen überfallen hatte und sowjetische Truppen wenig später in den polnischen Osten einmarschiert waren, besetzte die Rote Armee im Frühjahr 1940 auch das Baltikum. Im Sommer desselben Jahres verloren die baltischen Staaten ihre Eigenständigkeit und wurden in die Sowjetunion eingegliedert. Die baltische Führungsschicht sowie alle Personen, die gegen den Verlust der Unabhängigkeit opponierten, wurden verhaftet und zumeist in Sammel- oder Arbeitslager in das sowjetische Kernland deportiert. Nach dem Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion im Juni 1941 eroberten deutsche Truppen das Baltikum und formten daraus das Reichskommissariat Ostland. Die dort ansässige jüdische Bevölkerung wurde anschließend durch Einsatzgruppen erfasst und in Konzentrations- und Vernichtungslager in Osteuropa deportiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Niederlage der Deutschen gehörten die baltischen Staaten wieder zur sowjetischen Interessensphäre und wurden – ebenso wie das ehemalige Ostpreußen – in die Sowjetunion eingegliedert. Erst durch Michail Gorbatschows Perestroika und die anschließenden Revolutionen in einzelnen Teilrepubliken der Sowjetunion erlangten Litauen, Lettland und Estland 1990/91 ihre Unabhängigkeit zurück. Bis in die Gegenwart haben sich authentisch erhaltene Liegenschaften und Erinnerungs- und Mahnstätten aus der Zeit der beiden Weltkriege bis Relikte des Kalten Krieges erhalten.
Auf dieser 7tägigen Bildungsreise erfahren die Teilnehmer die Hintergründe der vielschichtigen Geschichte der drei baltischen Staaten mit dem Fokus auf das 20. Jahrhundert.
Martin Kaule, 1979 in Berlin geboren und aufgewachsen, verbindet technisches Wissen mit historischer Neugier und fotografischem Blick. Der Informatik-Betriebswirt entdeckte früh seine Leidenschaft für die Dokumentation vergessener und oft unzugänglicher Orte der Zeitgeschichte.
Seit 2005 organisiert er als Reiseveranstalter außergewöhnliche Touren, die weit über das klassische Sightseeing hinausgehen. Seine Exkursionen, Bildungs- und Forschungsreisen führen zu authentischen Schauplätzen europäischer Geschichte – zu verlassenen Militäranlagen, Relikten des Kalten Krieges, Industriebrachen oder Orten, die sonst kaum öffentlich zugänglich sind. Hier erleben Teilnehmende Geschichte unmittelbar: dort, wo sie einst geschah.
Als Buchautor kann Martin Kaule auf eine umfangreiche Veröffentlichungsreihe verweisen – von historischen Reiseführern bis zu großformatigen Bildbänden, die seine Reisen und fotografischen Expeditionen begleiten.
Bereits 2008 entstanden erste eigene Buchprojekte. Vier Jahre später gründete er den Verein »Orte der Geschichte«, aus dem nahezu 30 Bände in der gleichnamigen Reihe hervorgingen. 2015 folgte die ebenfalls erfolgreiche Publikationsreihe »Geschichts- und Erinnerungsorte«.
Weitere Informationen zu Martin Kaule, seinen Reisen und Publikationen finden sich auf www.martin-kaule-reisen.de.