In diesem Bildungsurlaub wollen wir den Spuren folgen, die der Nationalsozialismus auch in der Rhön hinterlassen hat. So diente beispielsweise die Reichssegelflugschule (Grönhoff-Areal) auf der Wasserkuppe dem Aufbau des neuen Luftwaffenpersonals aus der Flieger-HJ heraus. Für den Truppenübungsplatz Wildflecken wurden 2500 Menschen aus sieben Gemeinden und 5 Weilern abgesiedelt. Gleichzeitig sollte mit dem Dr. Hellmuth-Plan, benannt nach dem Gauleiter von Unterfranken, ein Rhönaufbauprogramm umgesetzt werden, um das angebliche „Notstandsgebiet“ in eine Agar- und rassenideologische Musterregion umzuformen.
Diesem Zweck dienten auch die Lager des Reichsarbeitsdienstes, die in der Rhön zahlreich errichtet wurden. Exemplarisch ist hier das Lager am Schwarzen Moor. Junge Menschen wurden als „Arbeitsmänner“ und „Arbeitsmaiden“ zum Pflichtdienst herangezogen. Ebenso mussten in der Rhön nach Kriegsbeginn Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter unter übelsten Bedingungen arbeiten, auch für die heimische Wirtschaft. In diesem Zusammenhang steht auch der von der SS geführte Todesmarsch von Insassen des KZ Katzbach der Adlerwerke von Frankfurt nach Hünfeld. Und das Seminar blickt auf die Verbrechen an den Jüdinnen und Juden geschaut, die bis zu zehn Prozent der Bevölkerung in den Rhöner Gemeinden stellten.
Es wird in der Teilnehmerrunde des Bildungsurlaubs auch die Frage thematisiert werden, in welchem Ausmaß jeder Einzelne auch heute noch durch den Nationalsozialismus betroffen ist. Kriegsopfer, Vertreibung, Euthanasie oder NSDAP-Mitgliedschaften sind Themen, die in vielen Familien präsent sind.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Erinnerungskultur nach 1945. Wie wird heute an die Opfer erinnert? Welche Rolle spielen Gedenkstätten, Museen und lokale Initiativen? Wie verändern sich Formen des Erinnerns über Generationen hinweg? Und welche Bedeutung hat die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit angesichts aktueller Herausforderungen für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt?
Inhalte des Seminars:
Lernziele:
Die Teilnehmenden erwerben Kenntnisse über die Geschichte des Nationalsozialismus in der Rhön und das Ausmaß seiner Verbreitung. Sie setzen sich mit Formen des Erinnerns und Gedenkens auseinander und stärken ihre demokratische Handlungskompetenz im Alltag. Sie werden sich bewusst, dass Politik jeden betrifft und jeder sich am politischen Geschehen beteiligen kann.
Zielgruppe:
Das Seminar richtet sich an alle Interessierten, die sich mit regionaler Zeitgeschichte, Erinnerungskultur und Fragen demokratischer Verantwortung auseinandersetzen möchten. Besondere Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.
Berlin, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen
BURG FÜRSTENECK ist ein Ort freier und kreativer Weiterbildung. Respekt und Toleranz bestimmen das gemeinsame Leben und Lernen in den historischen Gemäuern. Anerkennung von Verschiedenheit und Suche nach Gemeinsamkeit verstehen wir als Grundelemente eines lebendigen demokratischen Umgangs. Unser Bildungskonzept ist in der Verbindung von beruflicher, politisch-sozialer und musisch-kultureller Bildung auf das Ganze des Lebens gerichtet.
Frei von üblichen Verpflichtungen konzentrieren Sie sich auf die Lerninhalte und Aktivitäten: Beruf, musisch-kulturelles Tun, Familie, Gesundheit, Natur.
BURG FÜRSTENECK ermöglicht "Auftanken", neue Erfahrung, Begegnung und Gemeinschaft. Sie entfalten Ihre eigenen Fähigkeiten und setzen Akzente. Dazu sind wir gerne Ihre Begleiter: Informativ, methodisch sicher, lebensorientiert, aufmerksam und persönlich engagiert.
Die BURG
Die Akademie BURG FÜRSTENECK ist eine Bildungseinrichtung in Hessen mit überregionaler, überparteilicher und überkonfessioneller Ausrichtung. Einst mittelalterliche Trutzburg ist BURG FÜRSTENECK seit 1952 ein Ort freier und kreativer Weiterbildung.
Wir kümmern uns aufmerksam um eine angenehme Atmosphäre in freundlich gestalteten Bildungs-, Wohn- und Aufenthaltsbereichen. Die schmackhafte Burgküche bietet auch vegetarische Alternative. Unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen sich rundum wohl fühlen. Wir bemühen uns um umweltverträglichen Mitteleinsatz und Ressourcen schonendes Verhalten.
Wir verbinden die Bedürfnisse und Interessen unserer Kursgäste, Auftraggeber und Partner mit unseren konzeptionellen Zielen und leistungsorientierter Wirtschaftlichkeit auf gute Weise. Dadurch schaffen wir die Basis für eine sozialverträgliche Gestaltung der Kursgebühren mit gestaffelten Preisen und in einem bewährten System der individuellen Selbsteinschätzung.
Seit 60 Jahren nutzen Kursteilnehmende die Möglichkeit, in dem historischen Gemäuer ihre Potenziale zu entdecken und im Dialog Bereicherung zu erfahren. 3500-4000 Teilnehmende profitieren jedes Jahr von dieser einzigartigen Lernatmosphäre.
Der Veranstalter beantwortet gerne Ihre Fragen per Telefon oder E-Mail.
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Ein Bildungsangebot von Akademie Burg Fürsteneck.