Die Gespanschaft Zadar ist ein historisch stark geprägter Raum Südosteuropas, in dem sich zentrale Konfliktlinien des 20. Jahrhunderts exemplarisch nachvollziehen lassen. Das Seminar widmet sich der historisch-politischen Auseinandersetzung mit Gewalt, Verfolgung und Erinnerung im Kontext des Nationalsozialismus, des kroatischen Marionettenstaates (NDH), der Nachkriegsordnung in Jugoslawien sowie der jugoslawischen Bürgerkriege der 1990er-Jahre.
Im Zentrum des Seminars steht der Zweite Weltkrieg in Kroatien: die nationalsozialistische Besatzungspolitik („Balkanfeldzug“), die Annexion dalmatinischer Gebiete durch das faschistische Italien sowie die Errichtung des „Unabhängigen Staates Kroatien“ (NDH) unter der Ustaša-Herrschaft. Thematisiert werden staatlich organisierte Gewalt, die Einrichtung von Konzentrationslagern, Deportationen sowie Massenmorde an Jüdinnen und Juden, Serbinnen und Serben, Roma sowie politischen Gegner*innen. Ebenso werden Vertreibungen, Repressionen und Gewaltakte im Kontext kommunistischer Partisanenverbände und der unmittelbaren Nachkriegszeit kritisch analysiert. Ziel ist eine differenzierte Betrachtung historischer Verantwortung jenseits vereinfachender Täter-Opfer-Narrative.
Auf dieser Grundlage setzen wir uns im Seminar überdies mit dem sozialistischen Jugoslawien unter Josip Broz Tito auseinander. Untersucht werden staatliche Erinnerungspolitiken, der Umgang mit Kollaboration und Widerstand, das institutionalisierte Schweigen über innergesellschaftliche Gewalt sowie die langfristigen Auswirkungen dieser Deutungsmuster auf kollektive Identitäten. Diese Perspektiven führen zur Analyse der Ursachen, Dynamiken und Folgen der jugoslawischen Zerfallskriege Anfang der 1990er-Jahre, einschließlich ethnischer Nationalismen, erneuter Vertreibungen und der Herausforderungen demokratischer Transformation.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der gegenwärtigen Erinnerungskultur in Kroatien: Gedenkstätten, umstrittene Erinnerungsorte, kirchliche und politische Deutungen (u. a. die Rolle des katholischen Klerus in der NDH-Zeit und der Diskurs um Aloysius Stepinac) sowie aktuelle gesellschaftliche Debatten über Schuld, Verantwortung und Versöhnung. Im Seminar erörtern wir, wie Geschichte heute vermittelt wird – in Bildung, Politik, Kirche, Zivilgesellschaft und öffentlichem Raum – und welche Bedeutung diese Aushandlungsprozesse für Demokratie, Menschenrechte und europäische Erinnerung haben.
Themen:
Wir freuen uns auf dich!
Infos:
Anreise: Sonntag, 10.10.2027
Beginn: Montag 9:00 Uhr; Ende: Freitag 14:00 Uhr
Teilnahmebeitrag: 875 € // EZ-Zuschlag auf Nachfrage
Der Teilnahmebeitrag inkludiert Übernachtung/Frühstück im Doppelzimmer, im Zrmanja Canyon Hotel (Obrovac), Eintritt für Gedenkstätten/Museen, Dolmetscher, Transfers etc.
Individuelle Anreise.
Bei diesem Angebot zahlt die/der Teilnehmende die Teilnahmegebühren.
Anreiseempfehlung:
Mit dem Flugzeug: Direktflug Düsseldorf – Zadar
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Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen
Das DGB-Bildungswerk NRW wurde 1989 von den DGB-Gewerkschaften in Nordrhein-Westfalen gegründet. Wir sind ein eingetragener, als gemeinnützig anerkannter Verein mit aktuell rund 70 hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Düsseldorf. Unser Vereinszweck ist die Förderung politischer Bildung.
Wir bieten Ihnen politisch bildende Seminare im In- und Ausland, die von engagierten und methodisch kompetenten Referent*innen durchgeführt werden, mit der richtigen Mischung aus neuen Eindrücken über inhaltlich fundierte Führungen und Raum für Nachbereitung und Diskussionen. Gedenkstättenfahrten führen wir in der Überzeugung durch, dass die Auseinandersetzung mit den Verbrechen der Nazis für jede Generation wieder neu notwendig ist.
Unsere Angebote wenden sich insbesondere an interessierte Arbeitnehmer*innen, die ihr Recht auf Bildungsurlaub wahrnehmen wollen, aber auch nicht oder nicht mehr berufstätige Menschen sind willkommen. Wir helfen weiter bei allen Fragen rund um die Freistellung für den Bildungsurlaub. Unsere Seminare sind anerkannt in Nordrhein-Westfalen, bei Bedarf erwirken wir sofern möglich auch Freistellungen in anderen Bundesländern.
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