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„Damals gab es ein Leuchtfeuer, das sämtliche Horizonte erhellte. Europa, Weltfrieden, Demokratie. Meine Eltern glaubten, dass sich alles zum Guten wenden würde.“ (Juli Zeh)
In diesem Literatur-Seminar soll es eine lese- und austauschfreudige Woche lang um das Werk der seit 2007 im ländlichen Brandenburg – im Dorf Barnewitz – lebenden Autorin Juli Zeh (*1974) gehen. In den letzten Jahren hat Juli Zeh immer wieder mit radikalen literarischen Gedankenexperimenten beeindruckt, die gesellschaftskritische Diskussionen reflektieren und befördern. Stets schreibt sie am Puls der Zeit, außerdem ausgesprochen spannend und pointiert, mit vielen überraschenden Wendungen und unerwarteten Einsichten. Anhand ihrer bisher viel zu wenig beachteten Veröffentlichungen „Nullzeit“ (2012) und „Leere Herzen“ (2017) sollen im Seminar Fragen nach Macht und Moral, Recht und Gerechtigkeit, Zusammenhalt und gesellschaftspolitischer Zukunft gestellt werden.
„Nullzeit“ ist ein psychothrillerartiges Verwirrspiel, in dem Wahrheit und Lüge, Täter und Opfer immerzu die Plätze tauschen. Letztendlich dreht sich alles um die Frage, ob mit viel Raffinesse ein perfektes, nicht nachweisbares Verbrechen begangen werden kann? Wie wird es ausgehen für den Tauchlehrer Sven Fiedler, der sich in eine verhängnisvolle Liaison mit der Schauspielerin Jola ziehen lässt, die wiederum fatal an den erfolglosen Autor Theo gebunden ist? Juli Zehs Roman ist ein faszinierendes Gedankenexperiment über Zeugenschaft und Mitschuld, über die Problematiken der moralischen und juristischen Urteilsfindung, über Naivität und Willensfreiheit.
Auch der Roman „Leere Herzen“ stellt ein literarisches Experiment dar – und zwar zur Frage, inwiefern und wie sehr die Demokratie durch Extremismus und Terrorismus gefährdet ist. Juli Zeh entwirft hier ein grausiges Geschäftsmodell mit weitreichenden gesellschaftspolitischen Folgen: Britta Söldner und Babak Hamwi verdienen ihr Geld damit, Selbstmordkandidaten an Gruppen zu vermitteln, die Anschläge begehen wollen, alles nach dem strikten Kodex „begrenzte Opferzahlen, sorgfältige Vermeidung von Eskalation, keine Kollateralschäden“. „Weil du selbst keine Überzeugungen hast, bist du gut darin, sie zu verkaufen“, hat Babak einmal zu Britta gesagt. „Fest steht, dass die Kandidaten umso glücklicher über die letzte Brücke gehen, je stärker ihr Gefühl ist, nicht sinnlos, sondern für die gute Sache zu sterben.“ Auch dieser Roman durchläuft zahlreiche unerwartete Wendung, bis er zu einem irritierend-verstörenden Ende kommt, das sicher der Diskussion bedarf.
Ein Literatur-Seminar, das…
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Die Villa Fohrde ist ein nachhaltiges und weltoffenes Bildungs- und Kulturhaus – direkt am idyllischen Havelufer zwischen Brandenburg an der Havel und Rathenow gelegen. Unser Haus wird von einem gemeinnützigen Verein getragen und ist als Erwachsenenbildungsstätte offiziell vom Land Brandenburg anerkannt.
Nachhaltigkeit zieht sich bei uns durch alle Bereiche – von der Bildungsarbeit bis zum Alltag im Haus. Unser vielseitiges Seminarangebot umfasst Themen aus Politik & Gesellschaft, Umwelt und Klima, Jugendbildung sowie Gesundheit. Die meisten Veranstaltungen sind als Bildungszeit anerkannt – auch bekannt als Bildungsurlaub oder Bildungsfreistellung.
Ob intensives Lernen, bewusste Auszeit oder lebendiger Austausch: Die Villa Fohrde ist ein Ort, an dem nachhaltige Impulse entstehen und lebenslanges Lernen stattfindet.
Wir bieten ausschließlich vegetarische (auf Wunsch vegane) Vollverpflegung an und gehen auf besondere Verpflegungswünsche aufgrund von Allergien und Unverträglichkeiten ein.
Inmitten der Natur können Sie die herzliche Atmosphäre unseres Tagungshauses am Havelufer genießen.
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